Geheimnisvolles Sultanat

OMAN

Die Weihrauchstraße zwischen Antike und Heute

Diese DiaVision wurde 8 mal gezeigt (Wien, Mödling)

Eine "Neuauflage" nach kompletter Überarbeitung des digitalisierten Fotomaterials unter Einbindung von Film- und Videosequenzen ist bei entsprechendem Interesse 2004/2005 geplant.

Wenn Sie neugierig/interessiert sind ersuche ich um eine kurze Email an diavision@liertzer.at.

Der Islam und die arabische Welt machen uns derzeit größte Sorgen. Im Verhältnis zur Gesamtzahl der Moslems sind es wiederum einige wenige Extremisten welche die ganze Welt in Atem halten. Ebenso die Reaktionen des Westens, von denen wir nicht wissen, ob sie in dieser Form gerechtfertigt sind und Frieden bringen.

Das alles soll und darf aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass die Länder der arabischen Halbinsel tatsächlich den Stoff für 1001 Nacht boten und noch immer bieten.

Der Oman, im äußersten Südosten der arabischen Halbinsel gelegen, hatte Mitte des 19.Jahrhunderts seine größte Ausdehnung erreicht. Die Herrschaft reichte von Pakistan über den südlichen Teil der arabischen Halbinsel, bis Ostafrika – Sansibar, also fast bis Madagaskar. Die Omanis waren Jahrhunderte lang die beherrschende Handelseemacht in diesem Raum und hatten somit eine Schlüsselstellung für den Handel zwischen Europa und Ostasien. Erst nach der Eröffnung des Suezkanals 1869 brach dieses Imperium zusammen. Die nächsten hundert Jahre waren von Machtkämpfen gekennzeichnet, wobei die Briten als Schutzmacht im Golf immer wieder eine mehr oder minder große, regulierende Rolle spielten. Mit dem Öl kam der Reichtum. Doch vorerst nützten nur die Saudis, Kuwait und die jungen Vereinigten arabischen Emirate die Gunst der Stunde. Just in jener Zeit beschloß England, die große Kolonialmacht im Orient, sein Weltreich gesundzuschrumpfen und seine Soldaten bis Ende 1971 abzuziehen.

Eine Neuordnung des Omans war aber unmöglich, solange dort der alte Sultan bin Taimur wie im Mittelalter herrschte. Er fürchtete jede Modernisierung und Öffnung des Landes. Er versteckte das Geld aus den ersten Erdölgewinnen im Schlafzimmer und im Keller, wo es die Mäuse fraßen. Er verbot Fernsehen, Radio und sogar das Brillentragen. Den Untertanen die informiert waren und lesen konnten, die waren gefährlich.

Allerdings – der Sohn dieses Sultans war von den britischen Beratern nach England geholt worden, um an der Militärschule in Sandhurst eine erstklassige westliche Ausbildung zu erhalten. Dieser Sohn, Sultan Quaabus, wurde 1970 mit der Hilfe der Engländer zum neuen Herrscher gekürt, sein Vater nach London ins Exil geschickt.

Unter der Führung des jungen Sultans begann eine beispiellose Aufholjagd. Innerhalb von 20 Jahren wurde aus dem mittelalterlichen Oman ein moderner Staat mit flächendeckender Schulausbildung und modernstem Gesundheitssystem. Seit 10 Jahren wächst auch der Stellenwert innerhalb der Weltwirtschaft enorm. Trotzdem versucht der Sultan auch die traditionellen Werte zu erhalten, ein wesentliches Symbol ist der „khanjar“, der Krummdolch, noch immer das traditionsreichste Symbol jedes Omani.

Somit ist der Oman ein historisch faszinierendes, auch heute absolut sicheres Land.

Den Besucher verzaubern die Kontraste: Hohe Gebirgszüge bis über 3000 m, unendlichen Wüsten, traumhafte, grüne Wadis. Hier liebevoll restaurierte Forts, größtenteils aus der portugiesischen Besatzungszeit stammend, dort modernste Infrastruktur mit Autobahnen umgeben von künstlich bewässerten Gartenlandschaften, geschmückt mit den Bildern eines Sultans zu dessen Lieblingskomponisten vor allen Mozart zählt.

Die Bergwelt des Nordosten mit den alten kulturellen Zentren, den Wadis und der Hauptstadt Muscat kontrastieren mit der unendlich langen unendlich schönen Küste die über mehr als 1000km bis zum südwestlichen Zentrum des Oman reicht. Bis zur 2. Hauptstadt Salalah. Hier gibt es die unendlich langen Strände mit Fischern die noch vom Fischreichtum des arabischen Meeres leben können.

Diese Gegend „Dhofar“ genannt, war immer schon das Zentrum des Weihrauchhandels. Hier begann auch die berühmte Weihrauchstraße, deren Landweg einige Duzend Kilometer nördlich der Küste mitten hinein in die große arabische Wüste der Rub al Kali führte. Dünen bis über 200m machten über Jahrtausende hinweg Mensch und Tier zu schaffen. Ungezählt sind die Toten die der Sand bedeckt, während im Süden das eigentliche Wunder der Provinz Dhofar zu beobachten ist. Denn Jahr für Jahr wird diese Küstenregion in den Sommermonaten von Monsunwinden aus dem Südwesten gestreift. Die schweren Wolken ziehen bis zu den kargen braunen Bergketten, die – parallel zur Küste – die Provinz gegen die dahinter beginnende Rub al-Khali, die große saudiarabische Wüste begrenzen.

Alljährlich im Juli und August verschwindet dieses Land hinter einem Schleier aus Nebel und Nieselregen – und entfaltet dahinter eine atemberaubende tropische Pracht. Im Monsun strömen die feuchtigkeits-süchtigen Araber hierher. Für die hitzegeplagten Araber gibt es nichts schöneres als bei 26° im Nieselregen zu picknicken.

Wenn Sie aber das Hochplateau in 1000m Höhe erreichen geschieht etwas, das kein Foto kein Film wiedergeben kann. Nach 2-300 Metern plötzlich 0% Luftfeuchtigkeit, gleisendes Sonnenlicht und knapp 50° im nicht vorhandenen Schatten.

Weiter nach Norden hat der Mensch jedes Lebensrecht verloren. Es geht kilometerlang geradeaus. Die Steinwüste geht in Sanddünen über. Der südliche Rand der ebenso schrecklichen wie wunderbaren „Rub al-chali“ ist erreicht. Spätestens hier erleben wir das so rar gewordene Gefühl, in die Zeitlosigkeit einzutauchen. Ich möchte Ihnen eine alte arabische Weisheit mitgeben, die da lautet: „Je tiefer Du in die Wüste gehst, desto näher bist Du bei Gott“...