Sehnsucht Südwestafrika:
Namibia, Botswana und die Viktoriafälle:
Fotogalerie
Teile Südwestafrikas wurden bereits 1884 von Deutschland annektiert. Noch immer spricht man dort deutsch und deutsche Gründlichkeit beherrschte dieses Gebiet auch damals, als zufällig Rohdiamanten gefunden wurden, die in der Wüste herumlagen. Deutsche Gründlichkeit bestimmte auch den Alltag, als es darum ging die riesigen Diamantenvorkommen auszubeuten. Vom Organisationstalent zeugt noch immer die Geisterstadt Kolmannskuppe, die damals nahe Lüderitz in der Wüste entstand. Alles war erstklassig durchorganisiert… bis zur Eisfabrik und der Kegelbahn. Als es sich nicht mehr lohnte, wurde die Stadt verlassen und der Sand der Wüste hat diesen Ort wieder langsam zurückerobert. Ein Zeugnis von Habgier, Reichtum, Elend und Vergänglichkeit ist zurückgeblieben.
1990 wurde aus Deutsch Südwestafrika das unabhängige Namibia.
An den Diamantensperrgebieten hat sich nicht viel geändert, außer, dass man jetzt sehr aufwendig im Atlantik vor der Küste sucht. In einem wilden Meer. Ähnlich wie an der Südwestküste Südamerikas zieht der kalte Benguelastrom entlang der Küste nordwärts. Die Wärme über der namibischen Wüste mischt sich mit der kalten, feuchten Luft vom Atlantik, Küstennebel steigen auf. Oft hält sich der Nebel den ganzen Tag. Dutzende Schiffe sind der Strömung und diesem Nebel zum Opfer gefallen und gestrandet. Wer überlebte, kam in der Trockenheit der Wüste um, die sich bis zum Meer erstreckt. Daher auch der unheilbetonte, magische Name für diesen Küstenabschnitt: Skelettküste.
Weiter nördlich entstand vor Millionen Jahren mitten in der Wüste ein Flusstal, heute umringt von roten Dünen, die zu den höchsten und größten dieser Erde zählen. Und dort, wo damals der Tsauchab Fluss 50 km vor der Küste endgültig versickerte, findet sich im Deadvlei ein mehr als 1000 Jahre alter Wald, dessen Bäume langsam zu versteinern beginnen. Die bizarren Formen vor dem Hintergrund der Dünen zählen zu den attraktivsten Fotomotiven Afrikas.
Silvia, unsere Pilotin, hat uns mit der Cessna von Lüderitz abgeholt. Im Tiefflug, 30 Meter über der Skelettküste, vom Meerwasser zerfressene Reste der Schiffswracks unter uns, fliegen wir mitten zwischen den Dünen des Sossouvlei weiter nach Norden Richtung Walvis Bay und Swakopmund. „Swakop“, wie es beinahe zärtlich genannt wird, ist das Zentrum Namibias an der Skelettküste. Im Gegensatz zu Windhoek, der Hauptstadt, sind hier die meisten deutschen Straßennamen noch nicht durch einheimische Wortschöpfungen ersetzt. Es ist daher überraschend und keineswegs unangenehm, nahe der Bismarckstraße in einem „deutschen Brauhaus“ die besten Nürnberger mit erstklassigem Sauerkraut zu verspeisen. Es überrascht dann auch nicht mehr wirklich, wenn ein Farbiger sich als Hans vorstellt und im besten deutsch fragt „ob ma noch a Bier wolln“.
Weiter nördlich hören die hohen Dünen auf, der Sand ist nicht mehr rötlich, sondern grau. Wir landen wieder einmal direkt an der Küste im Sand. Gebleichte Walfischknochen belegen, dass nicht nur Schiffe der tödlichen Gefahr der Skelettküste zum Opfer fielen. Wir nähern uns den Ugab-Formationen. Gewaltige Falten der Erdkruste. Aufgrund der Erosion und dem nahezu völligen Fehlen von Vegetation sind die einzelnen Schichten dieser beeindruckend hochgetürmten Faltenbildungen erkennbar. Wir sind nur wenige Kilometer von der Küste entfernt, kein Geländewagen kommt in dieses Gebiet, trotzdem landen wir mitten zwischen diesen Formationen. Der Vergleich mit den Anden in Südamerika drängt sich irgendwie auf. Die Kontinentaldrift Afrikas war aber wesentlich geringer. Somit sind diese Formationen auch nicht sehr hoch.
Weiter geht es nach Osten. Wir landen im Huarusib Flusstal. Mit Jeeps fahren wir das Tal entlang, auf der Suche nach den „Wüstenelefanten“. Weiter östlich machen wir Halt bei Twyfelfontain: eine heiße Gegend und berühmt für die Felsgravuren und Felsmalereien. Über das tatsächliche Alter dieser Kunstwerke streiten die Wissenschafter noch heutzutage. Da Gravuren nur aus dem Stein bestehen, in den sie geritzt wurden, ist die C14-Methode zur Altersbestimmung nicht verwendbar.
Die Reise führt uns weiter nach Norden bis zum Kunene Fluß, der Grenze zu Angola. Es ist noch heißer geworden. Die berühmten Epupafälle führen nur wenig Wasser. In dieser Gegend leben die „Himbas“, eines der letzten Naturvölker Afrikas. Nach einem fast schon „vorgeschriebenen“ Ritual werden Grundnahrungsmittel übergeben, danach dürfen wir einige Dörfer besuchen. Die Himbas waschen sich nie, zu kostbar ist das Wasser in dieser trockenen Gegend. Die Frauen schmieren sich mit einer Mischung aus rötlichem Ockerstein und Tierfett die Haut ein, einem Schutz vor Insekten und Sonneneinstrahlung. Die christianisierten „Hereros“ tragen Kleidung viktorianische Tracht. Farbenfroh, aber der Wassermangel verbietet eine gründliche Reinigung (!).
Unsere Cessna bringt uns rasch Richtung Etoscha, eine ca. 5000 Quadratkilometer große Salztonpfanne, wohl eine der bekanntesten Gegenden Südwestafrikas. Aufgrund der Bodenbeschaffenheit erscheint der Landstrich unter uns genauso wie auf der Landkarte, fast weiß. Für die Touristen ist dieses Gebiet von so großem Interesse, da die Trockenheit eine große Anzahl von Tieren an die Wasserlöcher zwingt. An einem Wasserloch zählen wir mehr als 50 Elefanten gleichzeitig. Sie gehören zu zwei verschiedenen Herden. Trompetend und einander stoßend versuchen sie sich vom Wasser zu verdrängen, letztlich reicht es aber doch für alle, ehe sie sich in verschiedenen Richtungen wieder verabschieden. Vergessen ist die romantische Einsamkeit der letzten Tage. Hier findet Tourismus pur statt. Großflächige Campinganlagen beherbergen Hunderte von Besuchern, die dann teilweise mit Autobussen in den Nationalpark gebracht werden. Fluchtartig verlassen wir die Region, um weiter südlich eine Forschungsstation zu besuchen. Statt Geparden und Leoparden zu töten, wird hier versucht, den Farmern klarzumachen diese Organisation über die Tiere zu verständigen. Diese werden eingefangen, untersucht und in anderen Gebieten Namibias wieder freigelassen. Mit diesem Projekt hofft man die weitere Dezimierung der frei lebenden Katzen zu stoppen.
Das nächste Ziel ist der Caprivi Zipfel und das Okavangodelta. Das deutsche Reich (Reichskanzler Caprivi) hatte diesen weit nach Osten bis zum Zambesi Fluss reichenden Streifen zusammen mit Helgoland von den Engländern im Austausch gegen Sansibar 1890 erhalten.
Der Okavangofluß hat seinen Ursprung im heutigen Angola und erreicht nie das offene Meer. Das riesige Delta liegt hauptsächlich in Botswana. Die Wassermassen verschwinden unter der Kalahari Wüste und tauchen nie wieder auf. Beeindruckend die Tiervielfalt in dieser Region. Wir besuchen mehrere Camps. Pirschfahrten bringen uns nahe an die Tierwelt heran. Zwei Tage verfolgen wir den Weg einer Löwenfamilie im Schatten einer großen Büffelherde. In unserer unmittelbaren Nähe gleiten Krokodile lautlos ins Wasser. Mit Booten suchen wir unseren Weg durch den Papyrus. Winzige Frösche auf den Halmen sind leicht zu übersehen. Sie werden wohl, etwas größer, die Nahrung für die über uns kreisenden Störche abgeben, bevor diese ihre Reise nach Europa antreten werden.
Etwas weiter nördlich, schon auf dem Gebiet Zimbabwes, sind es die Viktoriafälle, die uns in ihren Bann ziehen. Diese Fälle sind weder die höchsten der Welt, noch die breitesten, noch fließen die größten Wassermassen. Mit einer Höhe von ca. 100 m und einer Breite von über 1700 m gelten sie aber flächenmäßig als der größte, durchgängige Wasservorhang der Welt. Dem Entdecker der Fälle, Livingstone (1851), ist im nahe gelegenen Victoria Falls Hotel ein eigener Raum gewidmet. Dort umgibt einen noch immer der altehrwürdige Stil der Kolonialzeit, mit Blick auf die 1905 errichtete Brücke über den Zambezi, die Zimbabwe mit Zambia verbindet.
Mehrere Aufenthalte und wochenlanges Reisen und Bewundern haben uns süchtig gemacht, nach diesem Teil der Welt im Südwesten von Afrika. Wir werden wiederkommen.
H.Liertzer